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Der Pianist

Die Reise begann

Als ich das College abgeschlossen hatte, machte meine beste Freundin Diana und ich uns bereit für eine große Tour durch Europa. Zu Beginn haben wir geplant drei Tage in Prag zu verbringen. Jedoch vergaßen wir, uns über den Wetterbericht zu informieren, als wir die drei Tage mit Sightseeing-Touren belegt hatten. Und dies wurde uns natürlich zum Verhängnis, da es die ganze Zeit wie aus Eimern schüttete. Folglich nutzten wir die Zeit die wir in der Stadt waren und schlenderten durch die Straßen und betraten einen Laden nach dem anderen nur um dem Regen zu entkommen. An unserem letzten Tag fanden wir einen Antiken Buchladen. Beim Betreten wurden wir von endlos vielen Bücherregalen und Stapeln von Unterlagen überwältigt. Eine ältere Frau die hinter einem Schreibtisch saß und ein Buch las, blickte kurz auf und begrüßte uns mit einem freundlichen Lächeln. Im Anschluss trennten wir uns und begannen den Laden zu erkunden.

Dieser Shop war beeindruckend groß für einen scheinbar unscheinbaren Ort. Ich wanderte eine Stunde durch die Gänge, bevor ich mich im Keller wiederfand. Dem Anschein nach ist das hier die Werkstatt. Mein erster Blick fiel auf ein altes Klavier. Als gut geübter Pianist, der schon längere Zeit kein Klavier mehr gesehen hatte, war ich umso mehr begeistert. Schnell sah ich mich um, damit ich keine anderen Kunden stören würde. Aber niemand war in der Nähe. Mit einem breiten Grinsen schritt ich näher ans Klavier heran und strich mit meiner Hand über das kalte Leder der Bank. Ich machte es mir darauf bequem und ließ meine Hände über die Tasten fahren. Höchstwahrscheinlich aus Elfenbein dachte ich mir. Das Klavier war alt also hätte es mich nicht gewundert wenn der Klang nicht mehr ausgewogen wäre. Überraschenderweise bemerkt ich das die Akkorde mit perfekter Klarheit ausgeführt werden.

Wundervoller Klang

„Sie spielen sehr schön,“ erklang es hinter meinen Rücken. Ich sprang erschrocken auf und bemerkte einen alten Mann im Raum. Schüchtern bedankte ich ich bei ihm mit einem Verlegenen Lächeln. „Sie spielt sehr gut, aber es fehlen zwei Schlüssel,“ nuschelte der Mann. Ich bat ihm das zu Wiederholen, da er mit seinem Akzent so undeutlich redete. Er fuhr mit „Nur 86…“ fort. Wieder verwirrt und unklar fragte ich ihn ob er es Wiederholen mag, aber er lächelte nur und deutete mir das ich weiter spielen soll. Nach ein paar Minuten beendete ich das Spiel, als meine Freundin den Keller betrat. Mir war es nicht aufgefallen das der Mann den Raum verließ, da ich zu beschäftigt war Diana zu erzählen wir wundervoll dieses Klavier doch sei.

Unerwartetes Angebot

Als wir oben an der Kasse die Bücher bezahlen wollten, machte mir die Dame ein Kompliment zu meinem Spiel und fragte mich ob ich das Klavier haben möchte. Bevor ich noch irgendetwas erwidern konnte begann sie zu erklären: „Im Laufe der vielen Jahre war dieses Klavier in sehr vielen Häusern. Niemand besaß es lange genug, um die Pracht und den wundervoll harmonischen Klang zu genießen. Ich konnte es schwer weiter verkaufen, da der Körperhohlraum zugeklebt wurde und daher nie gestimmt werden konnte.“ Desweiteren erzählte sie mir, dass wenn ich die Versandkosten decken würde, sie es mir überlassen würde und nach Hause schicken würde. Ich war mir nicht ganz sicher und überlegte kurz, ehe meine Freundin aufschrie und sagte dass es eine gute Idee sei.

Zurück in unserer Ferienwohnung machten wir uns sofort an den PC und begangen zu mit der Recherche im Internet. Folglich kamen wir zu dem Entschluss das die Versandkosten relativ billig sind. Es war bereits sehr spät geworden, also gingen wir zum Restaurant das sich gleich nebenan befand. Während dem Essen beschlossen wir morgen früh, bevor wir weiter nach Wien fahren, noch einmal zum Bücherladen gehen und die Versandkosten bezahlen.

Zurück im Altag

Als wir wieder von unserer Reise zurückkamen, fuhr ich mit großer Vorfreude nach Hause. Dort angekommen schmiss ich den Koffer ins Zimmer und rannte sofort zu meinen Nachbarn der das Paket angenommen hat. Nach langen bitten half er mir mürrisch, das Paket in mein Haus zu tragen. Voller Vorfreude packte ich den Karton aus und stellte es an einen passenden Platz. Selbstverständlich spielte ich sofort darauf los und hörte erst so gegen Mitternacht wieder auf. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an die tägliche Routine. Aufstehen, Arbeiten, nach hause kommen und spielen. Ich prahlte mit meinem wundervollen Klavier in der Arbeit und erzählte beinahe jeden wie wundervoll es doch sei.

Ein neuer Begleiter 

Irgendwann fand ich am Nachhauseweg eine streunende Katze. Sofort hatte ich Mitleid mit dieser süßen Katze und nahm sie Bereitwillig mit nach Hause. Am Weg dorthin benannte ich sie „Freitag“, da ich sie an einem Freitag gefunden habe. Ich weiß, ich war noch nie besonders Einfallsreich gewesen. Wir haben uns gut verstanden und er genoss den Klang der Musik. Er schlief meistens oben auf dem Klavier oder seitlich neben mir auf der Bank.

Mysteriöses Foto

Eines Tages wollte mein bester Kumpel Peter zu mir nach Hause kommen, um sich von diesen Klang selbst zu überzeugen. Er war überwältigt von der Melodie eines solch derartigen Instrumentes. „Du bist verdammt gut“, merkte Peter an und streichelte weiterhin meine Katze. Ich kicherte und deutete auf meine Katze, die in seinen Armen bereits eingeschlafen ist. Ich spielte noch eine weitere halbe Stunde, ehe mich das Läuten meines Telefons aufschrecken lies. Mit einem freundlichen „Hallo!“, begrüßte ich Diana die mich angerufen hat. Vollkommen außer Atem versuchte sie mir zu erklären, dass sie ein altes Foto zwischen den Seiten eines Buches gefunden hat, welches wir vor Monaten in Prag gekauft hatten. Sie war sich ziemlich sicher das auf den Foto ein junges Mädchen zu sehen ist das auf dem Klavier in meiner Wohnung sitzt. Ich beruhigte sie und bat sie darum, mir das Foto per Email zu senden.

Als ich auflegte, stand Peter bereits im Flur und machte sich bereit zu gehen. Er sagte das er Früh am Morgen aufstehen muss und deshalb eher ins Bett geht. Verärgert darüber, dass er die Nacht nicht bleiben wollte, begleitete ich ihm die Treppe hinunter.

Das Foto

Auf dem Weg zurück in meine Wohnung erhielt ich eine Nachricht das ich eine Neue Email erhalten habe. Oben angekommen öffnete ich das Foto und bemerkte das Diana Recht hatte. Es war die gleiche in Leder gebundene Bank, die gleichen schönen Holzarbeiten sogar die gleichen  Porzellan-weißen Tasten. Ich stand noch in der Tür als mir auffiel, dass etwas fehlte und bevor ich noch herausfinden konnte was es denn ist, rannte Freitag an mir vorbei und lief zu einem Mann der am Ende des Ganges stand. „Freitag komm her!“ rief ich noch hinterher. Ich rannte zum Mann und entschuldigte mich. Als sich unsere Augen trafen, hatte ich das unwohle Gefühl das ich das Lächeln bereits gesehen hatte. Ehe ich mehr darauf eingehen konnte, kratzte Freitag an meinem Bein. Ich hob ihn auf und trug ihn in die Wohnung zurück.

Die Erkenntnis

Schnell nahm ich wieder mein Telefon zur Hand und studierte weiterhin das Foto. „Was war es?“ ging es mir durch den Kopf. Dann fiel es mir auf. Das Klavier im Bild war viel kleiner als dass, das vor mir stand. Ein unwohles Gefühl überkam mich, als ich mich daran Erinnerte was der Mann damals gesagt hatte. Ich zählte die Tasten auf dem Foto. 61. „Was zum teufel!“ dachte ich mir.
Dann traf es mich. Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken, als ich bemerkte das die Bank eiskalt war. Die Klavierbank war bisher noch nie kalt, sie war immer warm. Wieder fiel mir das Lächeln von vorhin ein. Erneut überzog mir ein Schauer, als ich folgendes Flüstern warnahm:

Und du wirst 87 sein

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